26
Jul
14

Saltfjell Tour 2010

Durch Aris und Mo667 Reiseberichte aus dem Saltfjell auf den Geschmack gekommen, planten wir diesen Sommer selbst eine Tour in dem, für deutsche Verhältnisse, eher etwas unbekannten Gebiet.
Auch diesmal wurde die Strecke letztendlich wieder etwas kürzer als geplant, was der Angelleidenschaft von 2 Mitreisenden sehr entgegenkam.

Tag 1
Aufgrund der langen Anreise erreichten wir erst am frühen Nachmittag unseren Startpunkt Storvollen an der E6, am südlichen Rand des Saltfjell NP. Nach halbstündiger Packzeremonie und nochmaligem Auto-Umparken ging es auf dem Wanderweg das Tespdalen flussaufwärts. Bei der ersten Rast wechselten wir die Oberbekleidung. Bugshirts waren angesagt. Die Viecher waren angesichts des guten Wetters in bester Stechlaune. Der Weg führte duch erst dichten, dann lichten Birkenwald.

Nach 7 km und unzähligen Schlammlöchern, erreichten wir die kleine Brücke welchen den Storbekken überspannt. Irgendwie kam es uns so vor als würde der halbe Weg aus Schlamm bestehen. (Trailrunner wären auf dieser Tour übrigens keine gute Idee gewesen)
Kurz nach der Brücke steht ein symbolisches Tor welches den Polarkreis markiert. (Wie wir wissen ist dieser natürlich nicht fix, sondern verändert sich mit  der Neigung der Erdachse). Trotzdem war es ein tolles Gefühl diesen zu passieren. Weiter wollten wir für heute nicht. Die noch vollen Rucksäcke und das Schlammloch-Gehopse haben uns schon etwas geschlaucht. Dazu kam die ungewohnte Wärme. Am Tor gibt es einen kleinen Platz mit Feuerstelle, der die Möglichkeit für 2 Zelte bietet. Unterwegs war es meist zu feucht oder uneben zum Zelten.
Abends musste natürlich noch die Fliegenrute im Bach getestet werden….prompt mit Erfolg.

Tag 2
Am nächsten Tag ging es bei schönsten Sonnenschein weiter. Nach ein paar hundert Metern begann das Kahlfjell und die Sonne brutzelte ab dort erbarmungslos. Es ging immer weiter flussaufwärts. Der Weg blieb schlammig und sumpfig. Am frühen Nachmittag erreichten wir nach ca. 7 km den Tespvatna, wo wir für heute bleiben wollten. Ein Norweger den wir trafen meinte, dass das Wetter die nächsten Tage wohl so sonnig bleiben sollte. Nach der Futteraufnahme gaben sich die Herren der Angelleidenschaft hin, diesmal leider ohne großen Erfolg, die Dame der Entspannung. Später zog noch eine kleine Regenfront durch, welche uns einen sehr schönen doppelten Regenbogen bescherte.

Tag 3
Der Morgen begann wieder sehr sonnig. Nach dem Müsli-Tee-Kaffee-Frühstück führte uns der Weg um den See herum über einen niedrigen Pass in das Bjolladalen. Um die Jahreszeit wuchsen hier oben überall Birkenpilze. Wir nahmen uns vor diese unbedingt in unseren Speiseplan aufzunehmen. Bei dem übrigen Fjellobst sah die Sache leider grenzwertig aus. Die Blaubeeren hatten noch teilweise grüne Früchte was sich aber ändern sollte. Die Tage später fanden wir sogar noch ein paar Moltebeeren.

Ziel für diesen Tag war die Krukkistua. Die Hütte ist, wie die anderen auf unserer Route offen. Da sie nicht vom DNT bewirtschaftet wir ist auch der Schlüssel nicht nötig. An der Hütte machte sich gerade jemand am Außenanstrich und einer neuen Eingangstür zu schaffen. Von dem Herrn erfuhren wir, dass die 80jährige Hütte zu einer alten Telegraphenverbindung gehörte, welche über das Saltfjell ging. Abgesägte Masten, Porzellanisolatoren und Steinhaufen sind uns schon am Wanderweg aufgefallen die so etwas andeuteten. Zu der alten Hütte hat sich dieses Jahr noch eine neu Hütte gesellt, deren Inneneinrichtung uns erst einmal die Sprache verschlagen hat. Luxus pur!

Nach Spagetti mit Bolognese ging es noch ein paar hundert Meter hin zu dem breiten Bach der in der Nähe der Hütte floß. Mit Regenhose, Neosocken und Waldies ausgestattet standen wir angelnd die nächsten Stunden im Bach bis die Schatten die Berge hochgezogen sind. Zum Ausklang gabs dann Forelle gebraten.
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Tag 4
Weiter gings von der Krukkistua in Richtung Saltfjellstua durch lichten Birkenwald. Auch heute war es wieder unerträglich warm. Die Bugshirts mussten trotzdem drüber, Mücken und Bremsen um schwirrten uns den ganzen Weg. Außerdem bot es noch Sonnenschutz und ist dabei angenehm luftig. In der luxuriösen Saltfjellstua machten wir eine einstündige Mittagspause. Im Anschluss ging es weiter vorbei am Sore Bjollavatnet zur Midistua. Auch dort eine kurze Rast und Futteraufnahme. An der Hütte wollten wir nicht bleiben, das Wetter war einfach zu gut zum zelten.
Hinter der nächsten Brücke suchten wir uns einen Platz an dem Bach. Nicht ganz einfach, der Wind zog ganz ordentlich. Am Abend ging es noch mal für eine halbe Stunde in die Pilze was absolut ausreichend war. Im Anschluss gabs Rührei mit Pilzen. Die ersten Rentiere zeigten sich. Kurioserweise schien der fischversprechende Bach absolut fischleer. Kein Biss, keine Kreise..nix.

Tag 5
Da wir die Runde über die Bjellavastua nicht der angepeilten Zeit schaffen würden, entschieden wir uns abzukürzen. Am Nordre Bjollavatnet angekommen stiegen wir an einem Bach zwischen Bjollvassfjellet und Storpaskfjellet auf. Bergab ging es dann am Storpaskelva. Zwischendurch durfte durfte ich und mein mein Cousin 2 extra Kilometer einlegen. Susi hatte ihre geliebte Mütze verloren. Zum Glück hatte ich in etwa eine Ahnung wo. Vor dem Abstieg machten wir noch Rast mit Blick auf den markanten Tellingen und die schneebedeckten Berge und Höhenzüge in Richtung Svartisen Gletscher, der zweitgrößten Gletschers Norwegens.
Den Abstieg zur Burkkhaugbua zog sich durch recht unübersichtliches wegloses Gelände. Dort angekommen erwartete uns eine sehr urige Hütte, mit einem klarem Bach direkt dahinter. Die Nacht in der kleinen Hütte war dann eindeutig zu warm und mückenreich.

Tag 6
Das Vorhaben in weitem Bogen über die Berge zum Ausgangspunkt der Tour zu laufen mussten wir aus Zeitmangel leider etwas abändern. Von der Hütte ging es im Tolladalen etwa 6 km stromaufwärts Richtung Saltfjellstua.
Irgendwann bogen wir nach Osten ab und stapften noch 2 km durch die wechselnd feuchte und trockene Fjällvegetation. Das Lager wurde unweit einen reißenden, vielversprechenden Baches aufgeschlagen. Der abendlich Angelausflug geriet dann auch wirklich zum Erlebnis.

Tag 7
Nachts fing es dann endlich mal an zu regnen. Das Abendrot lies uns schon so etwas vermuten. Der Regen platterte den ganzen Morgen gegen die Zeltwand. Also wurde bis Mittag ausgeschlafen. Das Frühstück wurde deshalb im Zelt abgehalten. Um die Mittagszeit packten wir dann trotzdem unsere Sachen und machten uns an den Aufstieg entlang des Losbekken. Die ganze Zeit peitschte uns Niesel und Wind um die Ohren. Zumindest waren die Temperaturen erträglich. Die Vegetation wurde immer spärlicher und wich oben angekommen fast völlig Geröllfeldern.

Am Krukkijavrre zog sich die Zeltplatzsuche wieder länger als uns lieb war. Den Rest des Tages verbrachten wir aufgrund immer wieder einsetzenden Regens, kochend im Zelt.
Der Wind ging in Böen recht stürmisch und drückte gegen die Zeltwand. Die ganze Tour musste mein Shangri La 3 mit nur 6 statt 12 (extralangen) Heringen auskommen. Bei der ersten Übernachtung hatten wir nämlich festgestellt, dass mein Cousin die Heringe für das Tarptent im Auto gelassen hat. Als Herings-Alternative mussten ein paar Mal Rentiergeweihe herhalten. In Ermangelung dieser taten es hier aber auch ein paar spitze Steine.

Tag 8
Die Nacht kamen dann das erste Mal die Oropax zu Einsatz. Wie sich am nächsten Morgen herausstellte zu Recht, die beiden anderen hatten keine gute Nacht hinter sich, da sie immer wieder vom Sturm geweckt wurden.

Am nächsten Morgen schien wider Erwarten die Sonne. Es war allerdings merklich frischer, so dass das erste Mal Mütze und Handschuhe zum Einsatz kamen. Beim Abstieg zum Kjeldeelvvatna bot sich uns ein phantastischer Blick bis ins Bjolladalen. Heute sollte es nicht allzu weit gehen. Den Rückweg zum Auto in einem Rutsch wollten wir uns dann doch nicht antun. In der Nähe der Tespahytta, an einem Bachdelta machten wir Quartier. Nach einer kurzen Einweisung in das Fliegenfischen überließ ich meinem Cousin für den letzten Abend die Rute. So gab es nochmal Fisch satt.

Tag 9
Das letzte Stück des Weges kannten wir ja nun schon vom ersten Lauftag. Auf halber Strecke konnte ich einfach nicht widerstehen. Der uns begleitende Bach war einfach zu verlockend. Die Mittagsrast wurde folglich etwas länger veranschlagt und ich konnte ein letztes Mal meine Rute montiere, während sich die beiden anderen mit Blaubeerpflücken bespaßten. Die Stunde reichte um das Abendessen zu sichern.

 

Anmerkungen:
-Eine Rundtour im Saltfjell hinzubekommen gestaltet sich nicht ganz einfach durch die in Nord-Süd Richtung verlaufenden Höhenzüge.
-Angeln ist dort sehr gut möglich. Die besten Vorraussetzungen bieten nach unserer Erfahrung eigentlich nur die Bäche. Dort macht dann aber nur eine Fliegenrute Sinn. Eine Angelerlaubnis kann man bei bei http://www.inatur.no, oder vor Ort erwerben.
– Die Hütten welche wir angesteuert haben stehen gegen eine Gebühr von 200 NOK für Nichtmitglieder alle offen. Betreut werden sie vom BOT und RT.
– Bugshirts und SL3 haben sich bestens bewährt.


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