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Sep
09

Island Reisebericht [Tag 13 – 16]

23. August
vom See in Fögrufjöll – Hütte Sveinstindur

So eine Nacht haben wir noch nicht erlebt. Bis kurz nach Mitternacht geht das mit dem Schlafen noch recht gut. Danach legt der Sturm spürbar zu. Ich wache ab und zu auf wenn es wieder mal eine Böe in den Talkessel schafft. Zu unserer Erbauung kann man ganz gut abschätzen in welcher Stärke uns die nächste Böe erwischt. Wir hören ein Rauschen 100 Meter oberhalb am Pass…nach 3 Sekunden wackelt das Zelt, das Innenzelt bläst sich auf als wollte es explodieren.

Mittlerweile ist an Schlaf kaum noch zu denken.

Dann höre ich wieder ein Rauschen und denke nur noch….Ooh….. das Zelt wackelt wie selten zuvor. Von recht tönt wieder ein „Fu**“😮 durch die Nacht. Uns ist klar was passiert ist. Martins Zelt ist nicht mehr. Matze und ich kriechen raus in den Wind. Schnell wird klar dass wir das Zelt nicht wieder aufstellen können.
Auch bei meinem Mark II lockern sich nach jeder Bö die Heringe, obwohl gut vergraben und mit Steinen beschwert.
Wir sammeln Freaks Habseligkeiten zusammen und packen alles unter die Apsis vom Mark II. Martin wird für die restliche Nacht wieder bei uns einziehen.

Wir dösen noch etwas…etwas lässt der Sturm noch nach…von 2 bis 4 bekommen wir doch noch ein Auge zu. Gegen 4 geht’s wieder los. Eine Ladung Dreck nach der anderen landet auf unserem Zelt, es regnet…Nein!….das ist Wasser aus dem See welches der Wind gegen unser Zelt treibt!🙄

Ganz langsam beginnt es zu dämmern…..endlich! Beim Aufstehen bemerke ich plötzlich dass sich unsere Neosocken und mein Handtuch nicht mehr im Vorzelt befinden.
Das Handtuch finde ich etwa 20 Meter den See hinunter, eine meiner Socken hat es 50 Meter weit den Strand entlang getrieben. Die anderen 3 Socken findet Matze nach längerer Suche. Der Wind hat sie weit den Hang herauf getrieben. Dort hätte ich sie nicht vermutet.

Wir packen unsere Säcke im Inneren des Zeltes um ein weiteres Vordringen des Drecks in unsere Sachen zu verhindern. Zum Schluss müssen wir zu dritt das Zelt abbauen um zu verhindern dass es das Weite sucht wie zum Beispiel der Aufbewahrungsbeutel für mein Gestänge. Eine Sekunde nicht aufgepasst und er treibt schon auf dem See. Auch hier macht sich Matze auf, um am anderen Seeufer das gute selbst genähte Teil zu retten.

Wir machen uns auf dem Weg nach Süden, versuchen uns an den Trampelpfaden an den Seen zu orientieren. Und versteigen uns glatt…. Ich gehe voraus und plötzlich ist der Weg am See vor einer senkrechten Wand zu Ende. Der Rückweg wird zur Kraxelei auf der Klippe…bei Windgeschwindigkeiten um die 80 km/h nicht ganz ohne. Der Wind zwängt sich zwischen den Klippen hindurch und gewinnt ordentlich an Fahrt. Für Freak dauert der Rückweg noch etwas länger. Er muss sich festhalten und ausharren, auf eine Pause zwischen den Böen warten ehe er ohne von der Klippe geblasen zu werden absteigen kann.  :grins:

Wir finden den richtigen Weg aber recht schnell. Direkt am Langisjör geht es zwischen dem See und dem Sveinstindur bis zum Südende des Sees.

Den Pass hinauf müssen wir kaum laufen, der Wind schiebt uns sehr schön. Dach kommt eine trockene, staubige Ebene. Der Wind treibt wieder Sand von den Hängen. Dust-Devils tanzen über die staubtrockene Fläche. Ab und zu erwischt und eine Böe und Dreck hüllt uns ein. Zum Glück scheint die Sonne, das macht das Ganze wenigsten etwas angenehm.

Beim Abstieg zur Sveinstindur Hütte kommen uns 2 Männer entgegen. Die Begrüßung ist nicht mehr als einsilbig. Nach dem Equipment zu urteilen Deutsche, wir werden Recht behalten wie sich noch zeigen wird.

Die Hütte ist der Wahnsinn, hat alles was man sich wünscht. Fließend kaltes Wasser, Saubere Betten, Gas- und Petroleumheizung. Leider ist letztere defekt so das sich Matze und ich uns dran machen das Teil in Gang zu bekommen. Nach ein paar Minuten ist das Teil fast vollständig zerlegt und der Fehler gefunden. Zum Schluss läuft sie wenigstens auf kleinster Flamme. Wir nutzen die gute Ausstattung und waschen erst mal fast alle Klamotten.

Eine Stunde nach Ankunft ist es vorbei mit dem „schönen“ Wetter. Zu dem Sturm gesellt sich jetzt auch noch Regen, der mehr waagerecht als senkrecht fällt. Wir sind uns sicher dass die 2 Männer die Nacht nicht draußen verbringen werden. Wir wären bei diesem Wetter jedenfalls unter keinen Umständen in deren Richtung gelaufen. Zumal es auf den nächsten 15 Kilometern am Langisjör fast unmöglich sein dürfte ein Zelt aufzustellen.

Nach einer weiteren Stunde stehen die 2 triefend nass in der Hütte. Sie sind doch umgekehrt. Man kommt ins Gespräch. Sie wollten eigentlich am See nach Norden, der Wind war allerdings so stark das er sie regelrecht um geschmissen hat. Wir ahnten so etwas schon!

Als sie uns das erste Mal am Hang entgegen kommen sahen, vermuteten sie wir wären Tagestouristen, aufgrund unserer doch recht spärlichen Rucksäcke. Ihnen ist es absolut unbegreiflich wie man mit weniger als 10, Freak sogar weniger als 7 Kilogramm Basisgepäck auskommt. Uns ist auch unbegreiflich wie mal mit Edelstahltöpfen mir Glasdeckel und Sandwichboden trekken kann. :baetsch:
Sie erzählen uns noch ein paar gruselige Stories die sich auch dieses Jahr wieder auf dem Laugarvegur mit völlig unzureichend ausgerüsteten Wanderer zugetragen haben. Bei einem hätte wohl nicht mehr viel gefehlt und er hätte das „weiße Licht“ gesehen.😦

Nachts meinte man die Hütte würde vibrieren, so sehr rüttelte der Wind in den Böen am Dach. Regen prasselte gegen die Fenster. Wir waren heilfroh diese Nacht nicht in unseren Zelten verbringen zu müssen. Wenn das Wetter morgen nicht zum Weitergehen einlud, wollten wir einen Tag in der Hütte aussitzen. Immerhin hatten wir 2 Tage herausgelaufen. Meine Tour – Planung war halt doch etwas zu vorsichtig…besser so als anders.

24. August / 25. August
Hütte Sveinstindur – Hütte Skerlingar

Der nächste Morgen ließ uns hoffen. Der Regen hatte nachgelassen, teilweise riss sogar die Wolkendecke wieder auf. Die 2 Deutschen wollten ihr Glück doch noch mal Richtung Langisjör versuchen. Wir verabschieden uns und wünschen ihnen das Beste. Wir lassen uns Zeit mit dem Loskommen, da die Etappe heute mit 15 Kilometern mit die kürzeste der ganzen Tour werden sollte.
Kurz nach der Hütte erreichen wir das Pegelhäuschen an der Skafta. Von da an folgen wir dem Pfad immer am Ufer der Skafta entlang bis in die Hvanngil. Wunderschöne Schluchten taten sich auf. Das viele Grün würde bei Sonnenschein sicher noch besser zur Geltung kommen. Leider ziehen schon schon wieder Wolken auf. Ein Schauer nach dem anderen erwischt uns.

Die letzte Furt der Tour steht uns bevor. Nach den Bächen geht es verdammt steil bergan. Sollte das der Weg sein? Ein Blick auf das GPS zeigt, dass sich der eigentliche Pfad auf der anderen Seite des Berges entlang zieht. So bewegen wir uns die nächste halbe Stunde in mehr als heiklem Gelände. Ein Stolperer hier würde den sicheren Absturz nach sich ziehen!😮

Nach ein paar Kilometern Querfeldein-Gehatsche nach Navi erreichen wir den Fahrweg der uns zur  Skerlingarhütte führen soll. Freak schaltet wieder auf Autopilot und düst davon. Verlaufen sollte er sich ja nicht mehr….

Die Hütte liegt an einem Bach, inmitten von sehr skurril aussehenden, baumartigen Lavaformationen, wie sie selbst für Island einzigartig sind. Die Wände der Hütte sind aus Lavasteinen aufgeschichtet. Die Hütte hat keinen Vorraum, ist im Ganzen sehr einfach gehalten. Das verleiht ihr einen recht rustikalen Charme. Wir machen es uns in der Hütte gemütlich. Das übliche…Wasser aufsetzen, Essen machen. Da die Hütte recht groß ist und nur ein kleiner Petroleumheizer vorhanden ist, beziehen wir die oberen Betten um es einigermaßen warm zu haben.
Wir beschließen einen Tag länger hier zu bleiben. Der Plan war eigentlich einen Tag in Landmannalaugar zu verbringen. Allerdings lässt das Wetter uns das schnell vergessen. (Wenn man weiß wie der Platz dort nach einem Tag Regen aussieht…..)

Zum allgemeinen Zeitvertreib hat ein Gunther „Das lustige Taschenbuch“ da gelassen. Nach den 2 Tagen hat jeder von uns es gelesen….wir fanden es nicht wirklich witzig…

Am nächsten Morgen dann die Überraschung. Wir sehen endlich den Verursacher der Kothaufen welche den Boden der Hütte zieren. Auf den unteren Betten liegt eingerollt ein Hermelin und nimmt kaum Notiz von uns, möchte nur in Ruhe gelassen werden und schlafen. :bg:
Nachdem wir aufgestanden sind und Lärm gemacht haben verzieht er sich dann aber doch. Der Tag vergeht unspektakulär. Wir essen die letzten Futterreserven und träumen von Megapizzas in Reykjavik.

Den Tag verbringen wir damit auf Wetterbesserung zu hoffen. Die 5 Minuten Regenpausen nutzen wir um draußen das notwendigste zu besorgen.

Irgendwann kommen noch 3 Jeeps mit Isländern. Irgendwie traut sich aber keinen von denen in die Hütte. Eine halbe Stunde springen die Kinder nur zwischen den Lavasteinen herum, machen Fotos und laufen um die Hütte. Kurz bevor sie fahren schaut das doch ein älterer Herr zu uns rein und fragt nach dem Befinden… ob wir die letzen Tage gut überstanden hätten. Haben wir! Er meint noch das morgen das Wetter besser werden soll…wir meinen das ist sicher so ein Standardsatz aller Isländer…

26. August
Hütte Skerlingar – Eldja

Um 11 Uhr soll der Bus in der Eldja ankommen…12 Uhr wieder abfahren. Entsprechend früh machen wir uns auf den Weg. Es sind nur noch  9 Kilometer und so lassen wir es langsam angehen.

Der alte Isländer hat tatsächlich Recht gehabt. Es regnet mal ausnahmsweise nicht, der Wind hat ebenfalls nachgelassen, die Sonne guckt zwischen den Wolken …was für ein Ausklang der Tour.
Wir folgen der Fahrspur, überspringen die letzen Bäche und philosophieren über die besten Zeltplätze die sich hier so finden lassen. Freak ist der Meinung ein neues Zelt muss her.
Resümee wird gezogen…was hat gepasst, was weniger…das meiste hat natürlich.

So langsam schwingt Wehmut mit auf den letzten Metern. Freak bedauert es sehr nach 303 Kilometern das Laufen einstellen zu müssen. Anscheinend tat es stellenweise noch nicht weh genug?! :grins:

Beim Abstieg in die Eldja sind wir der Meinung nach 2 Wochen Island auf die Besichtigung des Wasserfalls verzichten zu können und machen es uns bei der Sitzgruppe gemütlich. Wir beobachten die ankommenden Fahrzeuge und witzeln über die Insassen, wie das halt so üblich ist.

Es ist 11:20 Uhr…noch immer kein Bus da…sollte er eventuell vorne an der Kreuzung warten? Wir beschließen den Kilometer entgegenzulaufen. Dort angekommen warten wir wieder 20 Minuten. 11:40 taucht er auf….ignoriert meinen Daumen und fährt wieder den Kilometer in die Eldja. :motz:

Etwas angesäuert laufen wir wieder zurück. Der Bus ist sehr voll. Der Fahrer meint… wenn wir Glück haben hat er noch 3 Plätze frei. Toll… wir gedulden uns die Stunde und warten bis die Bustouris ihre Besichtigung der Schlucht beendet haben.
Wir dürfen als letzte einsteigen und mit einer Stunde Verspätung geht es los Richtung Landmannalaugar.

Dort angekommen finden wir uns schon damit ab nicht den Hot Pot aufsuchen zu können, da die Zeit gerade so zum Umsteigen reicht. Dann heißt es aber „Bus kaputt“….Wartezeit 3 Stunden…:o

Also doch noch Zeit für den Pot…Wir sind enttäuscht. Die Quelle hat sich dermaßen abgekühlt das man es nur noch direkt vor dem Zulauf aushält. Das hatten wir vor 2 Jahren noch ganz anders erlebt. Matze und ich sind nur am nörgeln… Freak bringt es auf den Punkt…“Schweine-Cold-Pot“ :grins:

Nach dem kühlen Bad geht es wieder zum Bus, der alles andere als repariert ist. Irgendwas an der Hydraulikdämpfung der vorderen Stoßdämpfer. Es wird geflickt und überbrückt von einem 2. Bus. Dann geht die Tour weiter.
Anscheinend kümmert es den Fahrer recht wenig, dass die Federung völlig versagt. Bei den kleinsten Löchern fühlt und hört es sich so an als würde sich die vordere Achse jeden Moment verabschieden. Wir fahren auf dem blanken Metall so scheint es. Dem Fahrer ist das egal, er versucht die verlorene Zeit rein zu fahren, was natürlich ein Ding der Unmöglichkeit ist.

An der Hekla stoppen wir, zum Aussteigen hat allerdings keiner der Fahrgäste Lust. Es wir abkassiert, da erst hier das Kreditkarten-Funk-Dingens wieder Empfang hat.

Irgendwann des Nachts erreichen wir dann auch Reykjavik, statten erst mal Subway einen Besuch ab…:bg:

Wir sind angekommen….2 Wochen marschieren haben ein Ende

Den Rest der Bilder gibts wie immer im Album…KLICK


2 Responses to “Island Reisebericht [Tag 13 – 16]”


  1. 1 Dr. Harald Hoyer
    7. August 2010 um 11:24

    Hallo,

    bin vom 14.07-29.07.10 solo Eure Tour nachgegangen und anschließend noch die Strecke Landmannalaugar-Thorsmörk.
    Auf die Idee bin ich natürlich durch Euren Reisebreicht gekommen. Vielen Dank für die überlegte Routenauswahl, die guten Infos und die GPS-Tracks. Insbesondere die Routenwahl über den Vatnajöküll ist wirklich genial ausgedacht, denn alleine die Tungnaa und Skafta zu furten ist -glaube ich- wirklich unmöglich und (lebens)gefährlich.
    Falls jemand noch ein paar aktuelle Infos haben möchte kann er sich gerne an mich wenden.

    Viel Grüsse aus dem sonnigen Hamburg !

    Harald Hoyer


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