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Reisebericht Island [Tag 5 – 8]

..und weiter gehts

16. August

Sudurskard – Kistufell

Der Tag beginnt schöner als der letzte aufgehört hat. Wir futtern und entschließen uns jeder das Wasser bis auf einen guten Liter in den Sand zu kippen. Jetzt müssen wir die Etappe schaffen, ob wir wollen oder nicht.

Wir laufen bergab bis zum Fuße der Askja um uns dann querfeldein bis zur F98 zu bewegen. Scheinbar ewig zieht sich die Piste westlich eine Höhenrückens entlang Richtung Süden, den Vatnajökull im Blick. Kurz vor dem Gletscher erreichen wir ein Flussbett was sich um diese Tageszeit, es ist früher Nachmittag, langsam mit Wasser füllt. Das Flussbett ist etwa 1 km breit…was für ein Anblick!

Zum Glück müssen wir hier nicht furten, sondern laufen am Ufer entlang bis wir die offizielle PKW Furt erreichen. Bis zur Kistufellhütte sind es noch gut 10 km.
Mittlerweile sind wir so fertig das wir uns nach einem Päuschen erst mal „einhumpeln“ müssen.

Der Udarhals gibt uns fast den Rest. Der Weg ist mehr als beschwerlich. Auf faustgroßen Steinen geht der Weg in Schleifen bergan bis wir vor einem großem Loch im Boden stehen….toll, aber richtig genießen können wir es nicht. Wir wollen nur noch ankommen.
Meine Fußgelenke sind langsam am ausleiern, und Freaks vermutlich auch.

[Unterwegs sind wir beide in Inov Trailrunnern. Nicht unmöglich aber eventuell nicht die beste Wahl. Der sehr unebene weiche Boden verlangt sehr viel Trittsicherheit, die wir nach so einem langem Tag kaum noch aufbringen können]

Irgendwann ist auch das geschafft. Wasser gibt es nicht, wie ich es geahnt habe. Zum Glück ist liegt in ein paar hundert Meter ein dreckiges Schneefeld, wo wir uns säckeweise mit Schnee eindecken.
In der Hütte treffen wir auf 2 Franzosen mit übel aussehenden Füßen und schwerem Gepäck. Der Abend wird bei ihnen genutzt ihre Knie zu massieren und Blasen zu versorgen. Umso erstaunlicher welche Kilometerleistungen sie die nächsten Tage verbringen.

17. August

Kistufell – Gesavötn

Dieser Tag wird kürzer getreten, was aber immer noch 15 Kilometer laufen bedeutet. Die dreckigen Ausläufer des Vatnajökulls zu unserer Rechten geht der Weg recht bequem zu den 2 grün gesäumten Gesavötn.
Eine Wohltat fürs Auge! Zartes Grün nach Tagen von schwarz und grau. Die Hütte ist leider verschlossen, ich hätte auch nicht mit einer offenen gerechnet. Der Platz für die Zelte dafür aber erste Sahne.

Wir bauen unsere Zelte in einiger Entfernung zu der privaten Hütte auf. Gut so..später kommt noch der Besitzer, hisst als erstes die isländ. Flagge und pflanzt danach Blümchen auf der dauerbewässerten Wiese. Wir hoffen wir stören nicht….

18. August

Gesavötn – Snapadalur

Keine Ahnung obs klappt. Der Plan ist runter von der Gaesavatnaleid sydri und in gezogener Linie von den Gesavötn zum Vonarskard.
Kurz vor dem Zeltabbau kommt der Hüttenbesitzer auf uns zu und fragt nach dem Woher und Wohin. Man unterhält sich sehr freundlich ein paar Minuten um zu erfahren das der Mann unter anderem die Botni Hütte unterhält, dieser vor ein paar Tagen einen Besuch abgestattet hat und sie in einem hervoragenden Zustand vorgefunden hat. Puhh die Welt ist klein…gut das wir noch mal nass gewischt haben.🙄

Wichtig für uns zu erfahren ist die Tatsache das die Flüsse wohl sehr wenig Wasser führen. Gut für uns…Er wünscht uns noch bestes Gelingen…

Ein halbes Dutzend Furten stehen für diesen Tag an. Jede ist anders. Am eindrucksvollsten ist der Kilometer über schwarzen Quicksand. Die wassergefüllten Rinnen tragen ohne Probleme das Körpergewicht. An Stellen wo man es nicht vermuten würde versackt man schlagartig bis fast an die Knie im schwarzen Sand. In Neosocken und Waldies kein Problem und eher eine angenehme Veranstaltung die wir genießen. :bg:

Freak hat bei der letzten Furt irgendwie keinen Bock mehr auf Neos und will so….er bereut es dann doch. Ein Bach nach dem anderen kühlt seine Zehen runter bis sie schmerzen.😮

Das Wetter hält bis Vonarskard und weiter. Über der Bardabunga zieht es aber grau zu…lässt für die nächsten Stunden nichts gutes ahnen.
Wir sind auf der Suche nach den heißen Quellen im Snapadalur. Der erste Bach den wir erreichen ist nur lauwarm. Wir sind schon etwas enttäuscht, steigen aber die lockeren Halden weiter in Richtung Eggja auf. Uns siehe da..Dampf in der Ferne!

Wir finden mehrere heiße und sehr heiße Bäche und einen mit Steinen angelegten Hot Pot der den Namen wirklich verdient. Leider beginnt es nach dem Zeltaufbau sofort zu regen. Wir warten und beschäftigen uns mit Essenmachen.
Irgendwann lässt es nach, und wir beschließen dem weiter oben gelegenen heißen Quellen noch einen Besuch abzustatten.

Dort zischt, brodelt und blubbert es an jeder Stelle anders, es riecht nach Schwefel….nur für uns. Wir müssen das phantastische Schauspiel mit Blick auf den Gletscher mit niemandem teilen.

Auf der Rückweg laufen wir den Hot Pot an und verbrinegn mindestens 20 Minuten damit die heißesten Bäche umzuleiten, damit das Wasser im Pot auf erträgliche Tempraturen sinkt. Was für ein Genuss. Das erste warme Bad bei 6°C Außentemperatur. Irgendwann halten wir es vor Hitze nicht mehr aus. Mit einbrechender Dunkelheit beginnt es auch wieder zu regnen und der Wind frischt auf.

Nachts legt er noch mal zu. Man hört wenn eine besonders starke Böe anrollt. Zum Glück bieten die Halden um uns herum etwas Schutz.
Mitten in der Nacht plötzlich ein  Fu**.😮 Zeitgleich wird unser Mark II ordentlich durchgeschüttelt. Martin sitzt oben ohne da! Seine Heringe haben sich verabschiedet und das Shangri La liegt am Boden. Er richtet es wieder auf und sichert die Heringe mit großen Steinen diesmal besser.
Die Nacht wird ungemütlich.

[Das es Martins Zelt entwurzelt hat lag einzig an den zu klein bemessenen Heringen. Das Shangri La an sich steht bombenfest, auch wenn die Plane recht flattert. Auch unseres hatte später Probleme, da sich die Heringe in dem losen Boden auch mit Steinbeschwerung losrütteln. Das nächste Mal kommen definitiv Sandheringe mit. Was anderes hält im Hochland nicht!]

19. August

Snapadalur – Nyidalur

Zum Glück erwartet uns heute eine Hütte!
Es regnet und nieselt…wir packen fix unser Zeug. Freak ist wie so oft der erste. Es geht sofort steil bergan rechterhand an der Eggja vorbei, auf einen Pass zu.

[Ich glaube an dieser Stelle zweifeln meine Mitreisenden das erste Mal an meinen Führungsqualitäten. Vermutlich liegt es auch daran, dass ich die Angaben zum Wegverlauf meist im Konjuktiv zum besten gebe….Da hinten müsste, sollte, könnte…eventuell….wahrscheinlich…vermutlich….
Ich bin mir meiner Sache aber (eigentlich) immer sicher. :grins:]

Nach dem Pass geht es bergab. Wir folgen einem Bach der sich tief in einen Schutthang gegraben hat. Laufen auf den Hängen ist nicht möglich also bleiben wir im Bachbett. Weiter unten verengt er sich noch mal,,,zwängt sich durch einen Canyon aus Lava.

Kurz danach kapituliert das Goretex in meinen Inovs. Freak und ich laufen den Rest des Tages in patschnassen Schuhen. Auch die Gamaschen nützen nichts mehr. Nach einer weiteren Furt könnne wir die Socken erst mal auswringen. Aber die Füße sind warm..das wichtigste überhaupt.😦

Es geht auf und ab über rutschige Hänge aus losem Material. Es dauert ewig. Hier sollen wir morgen wieder herauf? Mit vollen Rucksäcken, maximalem Gewicht?…Never!
Wir beschließen den nächsten Tag auf der Sprengisandur nach Süden zu laufen, um dann wieder nach Richtung Vatnajökull auf den geplanten Track zu schwenken.

Die letzte Furt kurz vor der Hütte bleibt uns zum Glück erspart. Ein Jeep setzt uns über. Wir sind ganz schön gesschafft.
Die 10 km haben uns mindestens genauso geschlaucht wie die 23 am Vortag. Wir quartieren uns in der Hütte ein, genießen eine warme Dusche und trocken was geht.

Und unser Paket? Nach etwas kramen in der Abstellhütte können wir es mit großen Augen vom Hüttenwart in Empfang nehmen. Wir scheinen die einzigen zu sein die diesen Service dieser Tage in Anspruch nehmen. Der Vortführung unserer Tour steht also von verpflegungstechnischer Seite nichts mehr im Wege.

In der Nacht regnet es fast durchweg, die Wolken hängen verdammt tief….wir trösten uns mit der isländischen Unbeständigkeit des Wetters und hoffen auf Besserung.

Den Rest der Bilder von den nächsten 4 Tagen gibts im Album…


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