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Sep
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Reisebericht Island [Tag 1- 4]

Hier wie versprochen die ersten Tage …

Anreise:

Der Flieger in Schönefeld hat 3 Stunden Verspätung. Das geht ja schon mal gut los meinen wir.

Bei der Sicherheitskontrolle darf Freak noch mal seinen sauber gepackten Mariposa öffnen um die Feuerzeuge zu entfernen. Meine habe ich dummerweise ebenfalls im Ligthwave vergessen, werden aber bei der Kontrolle übersehen. :ignore: Ich belasse es dabei.

Nach Mitternacht geht endlich der Flieger. Nach der Landung müssen wir leider feststellen, dass Freaks Rotwein auf den wir uns so gefreut haben, sich bis auf den letzten Tropfen im Gepäckabteil geleert haben muss.  😦

Als wir das Zelt in Reykjavik errichten wird es schon langsam wieder hell.

Am nächsten Morgen stehen die üblichen Besorgungen an. Bonus anlaufen…Gas kaufen…20 Kilo Paket fürs Hochland schnüren….zum BSI dackeln und dort für ca. 1800 Kronen nach Nyidalur vorschicken….Daumen drücken das das auch so funktioniert.

Am nächsten Morgen soll der Flieger vom Domestic Airport nach Akureyri gehen. Die billigste und schnelleste Variante um in den Norden zu kommen.
Genialer Weise habe ich mich im Vorfeld nicht so richtig schlau gemacht wo sich denn das Terminal befindet.🙄
Gemütlich laufen wir zur östlichen Seite des Rollfeldes wo uns ein gesetzterer Herr auf Nachfrage eröffnet, dass sich das Terminal genau auf der gegenüberliegenden Seite befindet. Wir sähen zwar fit aus, meint er, würden es aber bis zu unserem Abflug sicher nicht bis dahin schaffen….wir wollten es dennoch versuchen.
Das Mir-den-Kopf-Abreißen wollten sich die beiden Mitreisenden aufsparen für den Fall das das schiefgeht. Letztendlich warteten wir dort noch mal eine gute Stunde bis der Flieger nach Akureyri abhob.

12. August

Bus von Akureyri nach Skutustadir (Myvatn) – die ersten Kilometer bis zum Sellandafjall

In Skutustadir verlassen wir den Bus und stehen an der Straße die um den Myvatn führt. Mir ist schon etwas mulmig. Die nächsten 17 Tage soll es fast auf gerader Linie zu Fuß nach Süden gehen. Dabei ist es mehr als unwahr- scheinscheinlich das alles wie am Schnürchen klappt.
Können wir die Route so wählen wie geplant? Werden wir das Ganze körperlich gut überstehen? Erwartet uns in Nyidalur unser Fresspaket, oder nur ein kopfschüttelder Hüttenwart? Fragen über Fagen….

Die nächsten 3 Kilometer geht es über Asphalt immer am Myvatn entlang. Im Norden hängen pechschwarze Wolken.
Am südöstlichen Ende des Myvatens biegen wir nach Süden auf eine Schotterstraße. Vor uns sehen wir das Ziel unserer heutigen Etappe, das Sellandafjall.
Es geht durch Wiesen auf einer Piste aus Lavasand. Das Zeug wird für die nächsten 300 Kilomter unser ständiger Begleiter werden. Kaum ein Ausrüstungsteil wo wir später nichts von dem schwarzen Dreck finden werden.

Kurz vor dem Ziel überlegen wir uns wo es denn Wasser geben könnte. Nach einem von mir gelesenen Reisebericht sollte das nicht das Problem sein.
Eigentlich hatte ich gehofft noch ein paar Schneefelder am Sellandafjall zu finden. Das das eher Wunschdenken so spät im Jahr ist, war mir aber fast klar. Nach meiner 20 Jahre alten Karte sollte sich direkt am Fjall ein Bach langschlängeln….nix
Also versuche ich doch mein Glück und laufe ohne Gepäck auf die Hänge des Fjall zu in der Hoffnung ein Schmelzwasserbach könnte wenigstens bis dorthin reichen. Fast angekommen, höre ich einen Schrei….Wasser. Freak hat den Bach doch noch gefunden. Keine 50 Meter von unsrerer Raststelle. Klares sauberes Wasser.

Am Abend steigen wir noch einmal die Hänge hoch, bis zur Grenze der Wolkendecke. Wahnsinn wie weit die Sicht reicht. Unsere 2 Zelte, 2 Punkte im Nirgendwo….

13. August.

Selandafjall – Botni

Die Etappe wir lang.
Gut das wir gestern etwas weiter als geplant gelaufen sind. Irgendwie empfinde ich sie als nicht so einprägsam wie die der kommenden Tage. Es geht anfangs durch Grün, was immer spärlicher wird. Etwa 5 km vor Botni beginnt sich der Trail durch die Lava zu schlängeln. Der Weg zieht…wir versuchen abzukürzen wo es geht. Es bleibt trotzdem anstrengend. Freak eilt vorne weg..wie so oft. Mein Cousin meint sein altes Knieleiden meldet sich mal wieder.😮
Irgendwie nicht so toll…
Die Sonne scheint und die Temperaturen erreichen mehr als 10° Celsius. Die nächsten 2 Wochen bleiben wir meist drunter.
Bei Botni sollte es laut meiner Info ebenfalls etwas ungünstig mit Wasser aussehen…unbegründet wie sich herraustellt.

Wir erreichen die „Oase“, eine bestens ausgestattete, sehr komfortable Hütte mit Teich direkt davor. Den Nachmittag und Abend nutzen wir um uns und unsrere Klamotten zu waschen…und machen Faxen..

14. August

Botni – Dyngjufjall

Das Wetter zeigt sich früh von seiner besten Seite und soll den Tag auch halten. Die Piste schlängelt sich weiter duch Lava. Ab nun ist der Weg auch nicht mehr ausgepflockt. Sicher ein Grund warum es einscheinend nicht nur einen Weg zu geben scheint. Immer im Blick in ca. 25 km Entfernung erhebt sich die Askja, und dort am Fuße liegt hoffentlich die Dynjufellhütte. Irgendwann verlassen wir die Lavafelder. Die Piste füht jetzt über Lavasand, recht geradlinig auf unser Ziel zu.

Die Sonne erhitzt die Luft über dem schwarzen Sand so stark das wir ab und an Luftspiegelungen ausmachen können. Wüste wie sie sein muss!
Die Dyngjufjallhütte ist ebenfalls bestens eingerichtet und verführt uns erst mal zu einem mehrstündigen Nickerchen, bevor wir uns der Futterzeremonie hingeben. Wasserprobleme auch hier Fehlanzeige, vor der Hütte fließt ein Bach mit leckerem Schmelzwasser.
Beim Studium den Hüttenbuches entdecken wir später noch einen Eintrag von 2 ODSlern….;-)

Wir warten noch auf David Carry, es kommt aber kein David Carry.😦
Laut Aushang hat er sich für diesen Tag in der Hütte eingemietet, danach in Botni. So haben wir die Hütte wieder für uns alleine….wie schön.

15.August

Dynjufell – im Nirgendwo hinter Sudarskard

Der Tag wird es in sich haben.

Hinter der Hütte geht es das erste Mal richtig bergauf. Gut 600 HM wollen überwunden werden bis hinauf zum Jonskard, einem Pass auf 1200 Metern.
Bei den Anstiegen läuft meine Pumpe auf 180. Freak rennt wieder allen davon. Liegts am Alter oder am UL? Ich jedenfalls trete kürzer um meinen Cousin nicht vollkommen aus den Augen zu verlieren.
Es sieht aus wie auf dem Mond. Kein Wunder das die NASA in diesem Gebiet für ihre Mondlandungen geübt haben. Der Weg ist recht gut anhand der Pflöcke zu erkennen. Anstrengend genug ist er trotzdem. Abschnittweise geht es über recht brüchige Lava, ein Vorgeschmack auf das wovon wir noch genug bekommen werden.

Weiter oben nehmen die Altschneefelder immer mehr zu, es wird merklich kälter und kurz vor dem Pass stecken wir in den Wolken und es fängt an zu schneien. Freak ist nicht mehr zu sehen. Wir packen uns in Vollmontur, werfen noch etwas Trockenobst ein und weiter gehts.
Am Pass angekommen sehen wir leider nicht alszuviel. Vor uns können wir dennoch die riesige Caldera erahnen, welche durch den Einsturz einer Magmakammer entstanden ist.

Wir steigen in die Askja ab und laufen, jetzt wieder zu dritt, am Rand noch recht bequem über Schneefelder in Richtung Viti Krater. 1 km vor dem Parkplatz wird es noch mal holprig. Es geht recht frische, brüchige Lava. Jeder sucht, balancierend, für sich den besten Weg.
Auf dem Parkplatz trifft uns erst mal der Kulturschock. Trotz Mistwetter lassen es sich anscheinend an die hundert Leute nicht nehmen dem Viti Krater einen Besuch abzustatten.🙄
Wir reihen uns in die bunte Menschenkette aus bunten Ponchos uns JW Jacken ein, die sich bis zum Krater schlängelt, ziehen das Tempo noch mal an, und überholen einen nach dem anderen. :grins:

Grübelnd stehen wir am Kraterrand, schauen in das Schlammloch mit der trüben Brühe, und überlegen ob wir es wagen sollen…zu baden.
Stufen dann aber ein Nicht-Bad als unverzeilich ein und machen uns an den sehr schlammig, rutschigen Abstieg in den nach Schwefel riechenden Krater.

Schnell entkleiden wir uns bei unagenehmen 6°C und Niesel und springen im Adamskostüm in das dann doch recht frische, vielleicht 25°C kalte Wasser. Mit uns treiben noch eine Handvoll Menschen in der milchigen Suppe. So richtig warm wird uns nicht, und  so schwimmen wir den See ab auf der Suche nach der „Heizquelle“, ohne Erfolg. Nur die Füße in den Boden zu graben sollte man tunlichst vermeiden!
Das Klamotten-Anziehen wird zur Qual. Wir frieren wie die Hunde..es nieselt.

Die Stimmung hebt sich allerdings etwas als 4 Italienerinnen recht spontan ein Bad nehmen. Mein Cousin wird aufgefordert ein Foto der 4 posierenden Grazien im Evakostüm zu machen. Da ist das Mistwetter mal glatt vergessen.😎
Der Ausstieg aus dem Krater gestaltet sich zur Schlammschlacht.

Aber irgendwie war das Bad doch erholsam. Jedenfalls haben wir alle fühlbar neue Kraft getankt.

Weiter geht es am Rande des Öskjuvatn, vorbei am Gedenkstein für die 2 verschollenen deutschen Forscher. Es läuft sich relativ gut über Sandflächen zwischen den Lavasteinen. Das Wetter bessert sich auch zusehends.
Schon denken wir wir schaffen es leicht aus dem Krater, da stehen wir vor einem mehreren hundert Meter breitem Lavastrom der übelsten Sorte…Hoch, brüchig, scharfkantig.
Mich und meinen Cousin legts 2 Mal um. Zum Glück bleiben Hände und Textil weitgehend ganz.

Wir quälen uns noch den Sudurskard Pass hoch. Der Ofen ist aus…. so recht können und wollen wir nicht mehr. Normalerweise war angedacht hier oben zu nächtigen. Der Pass hängt aber dermaßen in den Wolken das wir beschließen noch so weit wie möglich abzusteigen um von der Askja weg in besseres Wetter zu kommen.

Bei mir arbeitet es im Köpfchen.
Für die nächsten 2 Tage standen 2 Wüstenetappen auf dem Plan, mit einer Übernachtung in der Wüste. Bedeutet folglich Wasserschleppen. Wenn wir heute noch etwas laufen könnten wir die Strecke zur Kistufjallhütte auch in einem Tag machen und so einen Tag sparen. Sollte gehen auch wenns schwer wird….

Wasser für heute brauchen wir trotzdem noch. Dank des südseitigen Abstiegs finden sich allerdings kaum noch Altschneefelder. Auf Bäche zu hoffen ist in dieser Umgebung sowieso illusorisch. Das Wasser versickert meist nach wenigen Metern im schwarzen Sand. gerade noch rechtzeitig entdeckt mein Cousin etwas abseits der Piste ein Altschneefeld….glücklicherweise.😮
Es sollte die letzte Möglichkeit für die nächsten 30 Kilometer sein an brauchbares Wasser zu kommen. Eine halbe Stunde verbringen wir damit Töpfe unter die tropfende Schneedecke zu stellen und für jeden 6 Liter Wasser zu sammeln.

Ein paar Kilometer laufen wir noch bevor wir es uns, total fix und alle, in einer Senke mit schwarzem Sand gemütlich machen.

Den Rest der Bilder von den ersten 4 Tagen gibts im Album…


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