18
Jul
09

8 Tage im Borgefjell mit Susi und Cousin – Wasser, Schnee, Mücken – von allem genug

Vorwort: Wie ich in den Vorbereitungen schon bemerkte bin ich auf das Borgefjell gekommen, weil ich auf der Suche nach einem recht unbekannten Wandergebiet in Norwegen war. Zudem sollte dieses die Möglichkeit bieten meiner Angelleidenschaft zu frönen.🙂

Meine geplante Route war stark an den im Outdoor Magazin vorgeschlagenen Routenverlauf angelehnt. Allerdings haben wir uns im Verlauf der Tour entschieden diesen abzuändern. Gründe dazu gab es verschiedene.

  • Zum einen lag in Höhen um die 1000 Meter noch recht viel Schnee. Wie wir am 2. Tag mitbekamen war das Vorankommen doch recht mühsam, so das wir uns weitere und längere Etappen in diesen Höhen lieber ersparten. Außerdem hatten mein Cousin und ich die Sonnenbrillen vergessen. Und ohne wäre ein längeres Wandern auf Schneeflächen mit der Gefahr von Augenschäden einfach sträflich.
  • Die Flüsse und Bäche führten durch den vorhandenen Schnee noch allerhand Wasser, so das wir selbst auf der recht kleinen Runde allein 9 Mal mit Furtschuhen furten müussten. Dutzende Bäche ließen sich aber auch mit Wanderschuhen queren.
  • Da die Kondition von uns 3en sehr unterschiedlich war, konnten das Gepäck nicht einfach gleichmäßig verteilt werden. Susi waren nicht mehr als etwa 13 Kilogramm zuzumuten. Mein Cousin war mit 18 kg in seinem Lightwave auch vom Volumen gut bedient. Ich musste folglich in meinem Gregory Palisade etwa 23 kg buckeln, was für mich zwar ok war, aber auf Dauer doch ganz schön auf die Kondition ging.
  • Nicht zuletzt waren die doch recht hohen Tageskilometer nur mit sehr langen Laufzeiten von bis zu 6 Stunden möglich gewesen. So bliebe kaum noch Zeit für andere Aktivitäten abends im Camp.

Die Anreise erfolgte mit dem  Auto, mit der Fähre über Rostock – Trelleborg, die E6 über Göteborg, Oslo, Otta, Trondheim, Steinkjier nach Majavatn. Die lange Fahrt machte er erforderlich auf der Hinreise 2 Mal auf Campingplätzen zu übernachten.

Routenverlauf:

Erster Tag – 7.7.09

Die letzte Nacht verbringenen wir etwa 25 km vom Majavatn auf einem Campingplatz. Da wir gestern erst sehr spät nachts in der Gegend ankamen, hätte ein Loslaufen ins Fjäll kaum Sinn gemacht. Also noch mal die letzte Dusche genießen, und ordentlich ausschlafen. Am Morgen werden die Rucksäcke das erste Mal marschmäßig gepackt, und es fällt auf ,wie wenig Platz die Rucksäcke von Susi und Matthias bieten. Meiner hat zwar noch Luft, lässt sich aber mit fast 23 kg kaum schultern.

In Majavatn finden wir, wie in der Outdoor beschrieben, ohne Probleme den Abzweig nach Tomaslia. Auch der beschriebene Briefkasten hängt  an Ort und Stelle um die Parkgebühr von 30 Kronen pro Tag zu entrichten. Ein bisschen zweifeln wir schon, da wir anscheinend die einzigen sind die dieser Tage den Service in Anspruch nehmen.

Nach dem Schultern der Rucksäcke geht es das erste Mal stramm bergauf, durch Birkenwald. Susi fängt leicht an zu nörgeln das die Tragegurte drücken, und ihr so wahrscheinlich bald die Schultern weh tun werden. Wahrscheinlich beschleichen sie leichte Zweifel…für sie ist das die erste Mehrtagetour dieser Art. Bei mir muckerts ebenfalls. Mein Gluteus Muskel meint, dass der Rucksack doch etwas schwer sei. Ich ignoriere ihn, da ich vom Islandurlaub weiß das er trotzdem noch 1000 HM durchhält wenn ich will!

Das Wetter ist so lala, der Himmel bedeckt, ein kühler Wind weht. (Für die nächsten Tage soll es recht unbeständig werden, sagt die Vorhersage. Am Tag Regen, nachts trocken. Sie irrt wie sich zeigen wird. Das Wetter wird uns hold sein..)

Es geht durch sumpfiges Gelände auf dem Jengelvegen bis zu dem Pass südl. des Kuklumpen. Kurz unterhalb machen wir im Windschatten Rast. Die ersten Schneefelder kommen in Sicht. Auf dem Pass steht ein Schild was die NP-Grenze markiert. Außerdem gibt es ein Büchlein in das sich Besucher eintragen können. Wir hinterlassen Namen und Datum.

Weiter geht es ins Storelvdalen in der Hoffnung die Brücke über den Fluss zu finden. Aber nichts da…wir suchen eine Weile flussauf- und -abwärts. Habe ich mich in den Berichten verlesen, bringe ich was durcheinander? (Wie sich auf dem Rückweg zeigen sollte ist die Brücke etwa einen Kilometer weiter flussabwärts. Auch dann werden wir sie nicht benutzen.)

Also furten wir das erste mal den Storelva. Susi hat Neosocken dabei. Ich rate ihr noch die Regenhose anzuziehen, was sie auch macht. Für Matthias und mich wir es wesentlich unangenehmer. Nur mir Hose aus und Waldies an geht es in den Fluss. Dieser führt noch recht viel Wasser und ist kalt. Unterwegs müssen wir immer wieder auf Steinen und Inseln die Zehen warm werden lassen.

Für Susi ist das Ganze eher ein Spaß. Sie meistert das, warm eingepackt besser als ich gedacht habe. Nach ein paar Minuten sind wir am anderen Ufer, laufen aber mit den Waldies noch durch ein Supfgebiet bevor wir uns umziehen. (Auf dem Rückweg wird die Furt wesentlich unkomplizierter, das meiste Wasser ist dann durch, viele Kiesbänke sichtbar, und das Wasser ist wärmer)

Wieder frisch geht es die nächsten 5 km an der Ostseite des Storelva bergan, durch Sumpf, Weidengestrüpp. Die Vegetation lichtet sich und wir erreichen einen größeren Wasserfall wo wir rasten. Unser Lager schlagen wir auf einer recht großen Wiese auf der Westseite des Sees auf aus welchem der Storelva entspringt.

Wir versuchen das erste Mal unser Angelglück mit Rute und Spinner in dem sehr flachen See…ohne Erfolg..wie die nächsten Tage auch…

Zweiter Tag – 8.7.09

Der Wecker klingelt 7:30 Uhr. Zu früh für Matthias, der auch die nächsten Tage nur mit Am-Zelt Wackeln wachzubekommen ist. Das Wetter wartet mit mehr Sonne als Wolken auf, was mich hoffen lässt den Pass bei schönem Wetter zu überschreiten. Gestern lag dort oben noch eine trübe Suppe. Nach dem Frühstück aus Müsli mit Trockenmilch, Tee und Kaffee sind die Rucksäcke recht schnell gepackt und es geht um den See herum in Richtung des Krahtjoedurrie. Vor dem Anstieg muss allerdings noch ein Bach gefurtet werden. Nicht der letzte an diesem Tag, aber noch einer der angenehmeren.

Der Anstieg zieht sich, die Vegetation wird immer spärlicher und weicht flechtenüberzogenem Geröll und Altschneefeldern. Einige Bäche überspannen noch Schneebrücken und lassen erahnen welche Schneemengen man im Winter hier vorfinden kann.

Die Schneefelder werden immer größer. Dieser Umstand und die immer stärker scheinende Sonne machen meinen Augen ganz schön zu schaffen. Ich Dödel hatte meine Sonnenbrille nicht eingepackt! Wenn weiter hinten im Fjäll noch mehr Schnee liegen sollte, müssen wir unsere Route auf jeden Fall ändern. Einen ganzen Tag auf solchen Schneefeldern ohne vernünftige Brille ist keines Falls gesund. Das musste ich schon einmal schmerzhaft mitbekommen.

Am Ende des Passes auf 1000 HM erreichen wir den noch fast vollständig zugefrorenen See und machen erstmal eine Pause. Hinter dem See geht es in einer langen Schneeflanke berab. Wir folgen einer Elchspur, der anscheinend genau denselben Wg genommen hat wie wir. Der Anblick des gefrorenen Bisseggvatnet ist einfach grandios. In den Nebentälern liegt anscheinend doch noch recht viel Schnee..

Wir wollen zum Ausfluss des Nordre Bisseggvatnet. Laut Outdoor sollte dieser dort furtbar sein. So langsam habe ich genug vom Schnee. Meine Augen sind schon mächtig verblitzt.

Gerade mal ein kleiner Teil am Ausfluss ist eisfrei und lässt uns ahnen mit was für Wassertemperaturen wir zu rechnen haben. So war es dann auch. Die 20 Meter Furt war sicher mit die kälteste die ich erlebt habe. Auf der anderen Seite stachen meine Beine wie verrückt und mussten erst mal massiert werden!

Nachdem alle drüben waren ging es dem Bachlauf folgend bergab. Immer wieder mussten größere und kleinere Bäche übersprungen werden welche vom Kvigtinden ins Tal flossen. Auch eine weitere größere Furt blieb uns nicht erspart. Es war halt doch noch recht viel Wasser unterwegs.

Am Oststrand des Sore Bisseggvatnet sollte sich eigentlich ein Sandstrand befinden wo man zelten könnte. Leider haben wir diesen erst am nächsten Tag gefunden. So gestaltete sich die Platzsuche recht schwierig da es fast unmöglich war 2 qm eben Fläche für mein Mark II Ligth zu finden. Matthias mit meinem MYOG Tarptent hatte da weniger Probleme.

Der untere See war eisfrei, und so versuchte ich wieder über eine Stunde mein Glück beim Köder-Baden während die anderen erst mal ein Nickerchen hielten. Wieder ohne Erfolg. Nichts…nicht mal ein paar Fisch-Kreise waren auf der Wasseroberfläche auszumachen…

Dritter Tag – 9.7.09

In der Nacht fängt es an zu regnen und hört bis in die Morgenstunden nicht auf. Sollen die Wetterfrösche doch recht gehabt haben? Gestern abend hing jedenfalls eine ordentlich dicke Suppe zwischen den Bergen..wir schlafen länger.

Gegen 9 Uhr stehen wir auf, frühstücken und packen routiniert und los gehts. Leider erst gegen 10:30 Uhr. Eigentlich viel zu spät um die heutige Etappe bis nördlich des Gapsfjella zu schaffen. Innerlich habe ich mich schon damit abgefunden eine Alternativroute zu planen. Da das Gapsfjella um die 1000 HM liegt müsste da noch ordentlich Schnee liegen. Folglich müssten wir den ganzen nächsten Tag dort oben im Schnee laufen. Keine Vorraussetzungen die ich mir wünsche.

Also lassen wir es langsam angehen. Bis zum Store Kjukkelvatnet sollten denoch drin sein. Susi ist heute etwas angeschlagen und kommt recht langsam in Trab.

Am Auslauf des Bisseggvatnet  stürzen sich die Wassermassen kaskadenartig in den Bisseggelva in die Tiefe. Keine Chance hier zu furten. Normalerweile wollte ich mich, nach meiner alten Planung, überhaupt nicht mit diesem Strom anlegen….in ein paar Tagen müssen wir es allerdings trotzdem (was ich jetzt noch nicht weiß, diese Furt soll die heftigste der ganzen Tour werden).

Wir halten uns nördöstlich zwischen den Hängen des Kvigtinden und des Litle Kjekkelvatnet. Die Berge geben den Blick frei in den flacheren südlichen Teil des Borgefjell. Wir suchen uns wieder unseren Weg durch sumpfige Rinnen und trockene Hügel, rasten zwischendurch, studieren die Karte.

Bald erspähen wir ein paar braune, sich bewegende Flecken in der Ferne…Rentiere? Ja mindestens ein Dutzend! Anscheinend haben sie uns noch nicht bemerkt da der Wind günstig steht. Aus der anderen Richtung nähert sich auch eine Gruppe, wittert uns, und läuft im Schneller Schritt im Bogen um uns herum nach Norden.

Plötzlich bewegt sich eine Herde von fast 100 Stück in unseren Richtung, läuft in einer Schneesenke an uns vorbei. Wir werden von 200 Augen gemustert. Wie es aussieht treffen sie auch nicht jeden Tag Wanderer.

Weiter geht es hangaufwärts dicht am Litle Kjukkelen lang über Schneefelder und Bäche. Fast oben auf dem Pass sind noch mal ein paar Klettereinlagen gerfragt, da wir uns nicht mehr über alle Schneeflächen trauen. Zu augehöhlt erscheinen uns einige unter denen ein Bach fließt.

Oben angekommen haben wir einen fantastischen Blick auf der Store Kjukkelvatnet. Und wie ich es mir dachte, im Gapsfjella liegt noch ordentlich Schnee.

Wir drücken uns südlich zwischenKjukkelvatnet und Litle Kjukkelen an der schmalsten Stelle über große Schneefelder vorbei, versuchen sie zu meiden. Ganz wohl ist uns nicht. Zu leicht kann man auf dem Schnee einbrechen wenn große Geröllbrocken darunterliegen. Vor einer Woche hätte hier noch ein sehr steiles Schneefeld bis in den See gereicht.

Nach langem Suchen finden wir eine Stelle für die 2 Zelte. Wir bauen auf und machen Essen. Zum Nachtisch gibts diesmal Quarkpuffer. Die 3 großen Gasbuddeln scheinen locker zu reichen.

Da wir recht früh da sind, vertreiben sich Matthias und ich die restliche Zeit damit unser Glück im Fischfang im Kjukkelvatnet zu versuchen. Der Wind ist recht stark, und so versuchen wir in den windgeschützten Buchten unser Glück. Dank Sbirolino ist es kein Problem auch mal 50 Meter den Spinner auszuzwerfen. Den Fischen ist das aber egal. Kein Biss..kein Fisch.

Die Landschaft hingegen enschädigt für vieles…

Vierter Tag – 10.7.09

Auch diese Nacht regnet es, dazu stürmt es ganz ordentlich. Die Böen rütteln am Zelt und lassen uns mehrmals aufwachen. Gut das ich alle Leinen gesetzt habe. Matthias ist sogar die Nacht aufgestanden, aus Angst die Heringe könnten sich in dem torfigen Boden lockern..lieber noch mal kontrollieren. Wir schlafen wieder länger.

Wie am letzten Morgen lässt der Regen nach und die Wolkendecke reißt auf.

Die Alternativroute steht jetzt…weitestens. Es geht flussabwärts, den noch immer ganz schön wasserführenden Kjukkelva entlang. Obwohl wir laut Karte kaum mit Höhenunterschieden rechnen müssen, geht es trotzdem immer wieder durch Senken und kleine Anhöhen. Allerdings zu klein um auf der Karte zu erscheinen.

Die Sonne kommt immer mehr raus, es wird wärmer und damit bekommen wir immer mehr Besuch von Mücken. Das soll noch schlimmer werden..Bis jetzt brauchten wir unsere Netze nicht einmal. In den Nächsten Tagen sollen sie unserer ständiger Begleiter werden.

Ich hätte zwar gerne noch dem Gaukarvatnet einen Besuch abgestattet, wir entscheiden uns dann aber Litle Kjekkelvatnet Richtung Jengelvatnet zu laufen. Dazu müssen wir zu unserem Übel aber den Bisseggelva furten. Später im Jahr sicher absolut kein Problem.

An der schmalsten Stelle, kurz vor der Mündung in den Kjukkelvatnet müssen wir erst mal schlucken..

Bis zur Mitte , auf eine Steininsel, anscheinend machbar, fließt er danach so stark, dass es einen mit Sicherheit umreißen muss. Ich will es trotzdem probieren, ziehe die Trekkinghose aus, Waldies und Regenhose an, schultere meinen Rucksack. Ich probiere es an einer Stelle flussab der Steininsel, um diese flussauf zu erreichen. Die ersten Meter gehen..und dann…Mist reicht das Wasser bis in den Schritt. Also hier nicht.

Als nächstes probiere ich es von weiter flussaufwärts. Zwischen den großen Brocken strömt das Wasser allerdings so stark, dass ich keinen Fuss sicher auf den Grund setzen kann. Hier also auch nicht! Was nun?

Matthias und ich lassen die Waldies an und laufen mehrere 100 Meter den Bisseggelva flussauf. Dort wird er mehr als 50 Meter breit. Eigentlich gute Chancen eine flache Stelle zu erwischen. Ich probiere es mehrmals. Auf großen Blöcken im Wasser können sich meine mittlerweile eiskalten, tauben Zehen etwas erholen. Ich schaffe es wieder bis in die Mitte auf einen Block. Danach wird das Wasser aber wieder so tief und strömt stark, dass an ein Furten nicht zu denken ist. Und weiter oben das gleichen Bild…

Wenn kann es uns nur an der schmalsten Stelle gelingen, so paradox es klingt. Also zurück.

Ich wills wissen, ohne Rucksack, falls ich doch baden gehe. Ich zwenge mich in Susis Neosocken, stopfe die Regenhose mit hinein. An einer anderen Stelle erreiche ich die Steine in der Mitte relativ problemlos. Das erste Mal ist mir dieser Weg wohl entgangen?! Auf den Steine angekommen suche ich mit den Augen in der Strömung den besten Weg.

Ich versuche in den Strömungsschatten eines großen Brocken zu treten. Hinter diesem stehe ich plötzlich voll im Schwall, muss voll mit den Stöcken arbeiten. 5-6 Schritte und ich bin durch den Hauptstrom durch. Ein paar Mal scheint mich die Strömung ausheben zu wollen…geschafft…es ist machbar…ich bin drüben…mein Rucksack und die 2 Anderen fehlen noch.

Also noch mal zurück. Die Ideallinie scheine ich jetzt zu haben. Drüben angekommen machen sich die anderen 2 fertig. Susi ist nicht so begeistert. Alleine würde sie es sicher nicht schaffen. Wir beschließen gemeinsam zu Dritt, untergehakt, als Kette zu furten. Susi in der Mitte, Matthias flussabwärts mit einem Stock in der Linken, Ich flussaufwärts mit einem in der Rechten.

Es geht, besser als gedacht. Die fast 20 Kilo Rucksack geben mir noch zusätzlich Halt. Schön langsam tasten wir uns durch die Strömung….Drüben…eine reichliche Stunde hat uns die Furt gekostet. Eine Woche eher hätten wir mit Sicherheit umkehren müssen. Wir packen neu und laufen noch bis an den Ausfluss des Kjukkelvatnet.Ein Schauer überrascht uns. Es soll der erste und letzte tagsüber bleiben.

Wir suchen uns eine halbwegs geschützte Stelle wo noch ein Lüftchen weht. Die Mücken nerven mittlerweile tierisch.

Unterwegs sehen wir ein anderes Zelt direkt am See. Später abends noch 2. Die Besitzer angeln auf der anderen Seeseite direkt am Ausfluss, genau wie wir. Hoffentlich mit mehr Erfolg als wir. Wieder nix. So langsam zweifeln wir an den Werbeversprechen der norwegischen Website…

Fünfter Tag – 11.7.09

Nach dem obligatorischen Regenabwarten und Zeltabklopfen am Morgen nehmen wir einen Trampelpfad, der sich am nördlichen Ufer des Kjukkelelva entlangschlängelt. Man merkt das wir wieder in tiefere Lagen kommen. Sumpf, Weidengestrüpp und Mücken nehmen zu. Die Wärme zwingt uns Klamotten abzulegen. Ich laufe trotzdem noch in meiner Exum um nicht völlig zerstochen zu werden.

Unterwegs gilt es abermals Bäche zu überspringen und zu furten. Matthias hat bei einem doch etwas Schwierigkeiten. Vorsorglich nehmen Susi und Ich diesen wieder als Zweierkette. Kostet ja nix..

Der Weg zieht sich recht ausnahmsweise unspektakulär weiter bis zur Jengelhytta, einer privaten Angelhütte. Wir ziehen uns in den unverschlossenen Vorraum zurück, um ein mückenfreise Päuschen einzulegen. Kekse, Schoki und Trockenobst werden getauscht…man kann es halt nie allen recht machen!

Wir entschließen uns noch 2 km weiter zu laufen und auf einer Halbimsel im Jengelvatnet ein Plätzchen zu suchen. Dort angekommen geht abermals die Sucherei los. Entweder man findet einen ebene Stelle im Tal die sumpfig und mückenverseucht ist, oder eine trockene auf einem Hügel bei der man nicht weiß mit was für Wind man die Nacht zu kämpfen hat. Das Optimum zu finden ist keineswegs einfach.

Irgendwie passt es dann aber doch und wir machen es uns in einer kleinen Bucht mit Sandstrand gemütlich. Aufgrund der idyllischen Lage beschließen wir auch den nächsten Tag hier zu verbringen. Das Wetter wird immer besser, uns freuts und die Mücken auch. Hartnäckig kleben sie im Winschatten an unserem Zelt und der Kleidung.

Wir 2 Angler wollen noch mal unser Glück versuchen, auch wenn die Frau in der Runde langsam mürrisch wird. ..Nein ich möchte bei dem schönen Wetter außnahmsweise keine Karten spielen…

Den Abend verbringen wir mit der Jagd auf den Fisch. Matthias versucht mal eine Fliege zu montieren und hat Glück. Eine winzige Forelle lässt sich überlisten. Auf den Seen weit draußen sind jetzt auch die typischen Kreise auszumachen. Leider unerreichbar für uns. Zudem ist der See recht flach, die Chance recht groß das wir einen Hänger produzieren.

Es wird wieder gegen Mitternacht ehe wir ins Bett kommen. Schön das man eigentlich 24 h was machen könnte, dank heller Nächte, blöd das man auch mal schlafen muss.

Sechster Tag – 12.7.09

Die Zelte bleiben stehen, und wir lange liegen. Die Sonne zwingt uns dan doch zum aufstehen. Sie heizt die Zelte diesmal schon am Morgen extrem auf. Matthias misst was bei 40 Grad an der Decke.

Wir verbringen den Tag mit gammeln, Futter machen, Kartenspielen und Angeln. Auch wenn heute nix beißt. Matthias schafft es einen Hänger nach dem anderen zu produzieren wie schon die letzten Tage. Keine Ahnung wie er das hinbekommt? Angeln wir doch mit demgleichen Zeugs. Mehr als einmal muss er ins Wasser. Am Ende gehen ein verlorener Spinner, 2 Fliegen und ein Sbirolino auf sein Konto.

Siebenter Tag – 13.7.09

Die Rucksäcke sind diesen Morgen ungewohnt leicht. Das Essen würde nur noch etwa für 2 Tage reichen, so war es auch geplant. Gut so!

Wir gehen nach Norden bergauf, in Richtung eines kleinen Passes zwischen Bleikarfjellet und einer kleineren Erhebung. Irgendwann bergan mache ich etwas weißes am Boden aus. Ein Rentiergeweih! Neben diesem sollen weitere folgen. Am Ende des Tages sind es 14 Stück. Das liegt  vermutlich auch daran, dass wir nicht dem Hauptweg folgen, welcher sich im Norden des Orrekvatnet an den steilen Hängen den Sklettfjellet entlangdrückt, sondern die weniger begangene Südroute wählen.

Das enge Tal in welches wir kommen bietet mal wieder Abwechslung fürs Auge. Am Ende des Orrekvatnet können wir schon deutlich einen breiten Sandstand ausmachen. Bis dahin und nicht weiter!

Der Orrekelva der aus dem See entspringt bietet sich direkt an um zu fischen. Also Neosocken, Regenhose und Waldies an und ab in die Flussmitte. Die Rute wird auf Fliege umgebaut. Und siehe da, Forellen wohin man blickt. Wenn auch recht kleine.

Da ich meinen schwimmenden Sbirolino vergessen habe, kann ich die leichte Fliege nicht weit genug auswerfen. Zum Glück habe ich guten Rückenwind, der mir erlaubt sie mit ihm davontragen zu lassen. Kaum ist sie auf oder kurz über dem Wasser schnappen die Fische danach. Ich gehe langsam flussabwärts uns versuche die Fliege in die tieferen Becken treiben zu lassen, wo größere Kreise auch größere Fische vermuten lassen. Solange die Kliege auf der Oberfläche treibt scheint sie interessant für die Fische. Dank fehlender Imprägnierung sind unsere Trockenfliegen aber nach kurzer Zeit so nass, dass sie nach wenigen Metern absinken und keinen Biss mehr produzieren.

Neben einigen sehr kleinen gehen auch 2 vom Typ „Aldiforelle“ an den Haken. Dank Neosocken halte ich es mittlerweile schon eine reichliche Stunde im kalten Wasser aus. Matthias scharrt derweil schon mit den Hufen und will auch mal…also versuche ich es weiter vom Ufer mit einem „blauen Miniwobbler“, da ich von dort keine Möglichkeit habe meine Fliege in der Strommitte zu platzieren.

Ich gehe langsam flussabwärts, es tut sich nix mehr..warum bloß? Weiter unten fließt der Orrekelva über einen Wasserfall in ein breiteres Delta. Es ist schon fast Mitternacht. Die Wassertiefe könnte für einen Spinner ausreichen denke ich…also doch noch mal den rotgepunkteten Spinner aus dem OBI versuchen.

Erster Wurf..ein Biss, zu klein darf wieder rein. Zweiter Wurf.. wieder was am Haken. So geht das immer weiter. Nach jedem 2-3 mal Werfen zappelts am Haken. Irgenwann auch mal was größeres, was in Hinblick auf mein 18er Vorfach doch etwas gedrillt werden möchte.

Danach habe ich es sein gelassen. 3 wandern in die Pfanne, das restliche Dutzend gleich wieder in die Freiheit.

War es also doch der blöde blaue Wobbler den die nicht wollten. Sollte eigentlich klar sein! Allerdings werde ich beim nächsten mal wohl den Drilling zum Zwilling abkneifen und die Wiederhaken entfernen, bzw. verkleinern. Einige von den kleinen Fischen waren dann doch recht böse gehakt.

Matthias bleibt das Glück mit der Fliege eher versagt. Bis auf ein paar Kleine geht leider nichts an seinen Haken.

Leider wird das unser letzter Abend. Das nächste Mal werden wir wohl das Angeln hauptsächlich in größeren Bächen und Flüssen anstreben.

Achter Tag – 14.7.09

Wehmütig laufen wir diesen Morgen am südlichen Ufer des Orrekelva flussabwärts. Die einzigen die sich darüber freuen sind die Fische und die Susi. Wären wir die Route von Anfang an entgegengesetzt gelaufen..wer weiß was möglich gewesen wäre…

Der Plan war die auf der Karte verzeichnnete Brücke, etwa 1 km flussab des Storelva zu erreichen. Wir geben ihn bald auf. Verblockte Hänge, Birken und Weidengestrüpp und Morast lassen uns fast im Kreis laufen, das Gefühl haben wir jedenfalls. Vor uns erstreckt sich eine einzige Sumpfebene. Wie müssten wieder weiter aufsteigen um dem Gestrüpp zu entgehen. Der Umweg würde schätzungsweise trotzdem 2 Stunden dauern.

Gut auch das ich meinen Plan den Storelva vom Namsen in nördlicher Richtung hochzulaufen nicht wahr machen konnte. Das wäre sicher eine Mordsquälerei geworden.

Wir entschließen uns den Orrekelva zu furten und den in der Karte eingezeichneten Trampelpfad zu suchen, um auf diesem bequemer den Storelva zu erreichen.

Das Umziehen wird zur Qual. Neben den Hunderten Mücken sind jetzt auch noch ein dutzend Bremsen dazugekommen. Nicht sehr angenehm jetzt die Beine zu entblößen. Schnell durch und wieder umziehen.

Der Trampelpfad zieht sich mal mehr mal weniger gut erkennbar ebenfalls durch Gestrüpp und Morast. Es erscheint trotzdem leichter.

Auf einer Kuppe weht eine leichte Brise die uns etwas die Vieher vom Hals hält und wir rasten. In der Ferne erkennen wir einen horizontalen Stich am Storelva. Im Zoom der Videocam ist jetzt ganz klar die Brücke zu erkennen. Komisch nur das diese laut Karte ohne Anschluss an einen Pfad mitten in der Wildnis steht.

Die Furt durch den Storelva ist problemlos. Das Wasser erscheint uns wesentlich wärmer als das letzte Mal. Der Wasserstand ist ebenfalls geringer, was sich an den vielen Kiesinseln zeigt. Trotzdem dauert das Wassertreten an dieser Stelle an die 5  Minuten.

Den weiteren Weg kenn wir ja schon. Das Wetter ist nur wesentlich besser als am Einstieg in die Tour was die vielen Autos auf dem Parklatz erklärt….

Wir finden es toll es geschafft zu haben, bei einer hatte ich ja anfangs so meine Bedenken. Auch das die Route nicht wie geplant gegangen werden konnte fand ich nicht weiter tragisch, die anderen sowieso nicht…


Fotos der Tour…im Album


4 Responses to “8 Tage im Borgefjell mit Susi und Cousin – Wasser, Schnee, Mücken – von allem genug”


  1. 21. Juli 2009 um 15:01

    Absolut genial! Die Video’s sind klasse, wirklich gut gemacht. Auch die Fotos sind toll. Gibt es auch Fotos von den Forellen? Freut mich jedenfalls das es am Ende doch noch geklappt hat, mit dem Angeln.

    Gibt es eine Packliste für die Tour? Würde mich mal interessieren was so alles dabei war – wusste zB nicht das Du auch einen Gregory Palisade hast =)

  2. 21. Juli 2009 um 20:41

    Super schöne Fotos und eine tolle Tour!

  3. 4 hrxxl
    23. Juli 2009 um 22:03

    super tour basti
    die videos sind auch klasse.
    und nächstes mal klappt es noch besser mit dem angeln


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


Translator

Kategorien


%d Bloggern gefällt das: