17
Mai
09

Eigenbau Pulka

Wie transportiert man mehr als 30 Kilogramm Gepäck sinnvoller Weise durch den skandinavischen Winter? Meiner Meinung nach geht das nur mit einer Pulka.

Da im März 2008 zu Dritt eine Wintertour geplant war, mussten dringend solche Teile her. Die fertigen Varianten sind vom Preis ja eher unerschwingling, also musste ein Eigenbau her.Mittlerweile konnte die Konstruktion schon auf 2 Touren auf der Hardangervidda ihre Tauglichkeit unter Beweis stellen.

Reisebericht der 1. Tour

Reisebericht der 2. Tour

Ein guter Ausgangspunkt für den Schlitten bietet der Paris Expedition Sledge. Aktuell ist dieser endlich wieder über Globetrotter.de zu beziehen. Als Zuggeschirr habe ich mich für eine Konstruktion aus Alu-Rohren mit eingezogenem Stahlseil entschieden. Als Gurt kam ein Koppeltragegestell der Bundeswehr zum Einsatz. Billig und haltbar.

Schlitten

Material:

  • Paris Expedition Sled
  • Cordura 500den  (2,00 x 1,50 m)
  • Gurtband 25mm (4,5 m)
  • Blitzverschluss zum einseitigen Fädeln, Steckschließe 25 mm (3 Stück)
  • D-Ringe, 25 mm (10 Stück)
  • elastische Kordel, 5 mm (4 m)
  • Kordel 3 mm (4,5 m)
  • Plastekarabiner (4 Stück)….alles von Extremtextil
  • Blindnieten 3 mm Durchmesser, für 5,5 mm bis 7 mm Nietstärke
  • Maschinenschrauben, U-Scheiben, Muttern, 5 mm
  • Aluleisten, 2000 x 15 x 1,5 (4 m)

Als Werkzeug haben sich neben einer Ständerbohrmaschine, zum schnellen und exakten Bohrens des Alu, ein Bandschleifer (Alu schleifen), Akkuschrauber und scharfe Bohrer bewährt.

– Aus dem Cordura 2 Streifen (2,00 x 0,75m) schneiden. An den schmalen Seiten zusammennähen, damit man einen 4 Meter langen Streifen erhält. An einer langen Seite den Stoff säumen und dort die 4 Meter Kordel einnähen. Diese verhindert nachher ein Rausrutschen des Corduras unter der Aluleiste. Das Gurtband vorbereiten. 3 x 1 Meter für sie Steckschließen. Den Rest auf die D-Ringe verteilen (ca. je 15cm). Gurtband an die D-Ringe nähen. Die 4 Meter Aluleiste passend für die Innenmasse der Pulka zurechtsägen. Die Leisten verbinden das Cordura später mit der Pulka.

– Löcher in die Aluleisten bohren, für die Blindnieten 3 mm, für die Maschinenschrauben 5 mm, im Abstand von ca 7 cm. Dann erfogt die Montage von Cordura, Aluleisten, D-Ringen und Schnallen nach der  Skizze. Das Gurtband für die D-Ringe und Schnallen wird dabei jeweils mittels der Schrauben für max. Stabilität gesichert.

– Noch die Gummikordel einführen durch die D-Ringe fädeln, Plastekarabiner einhaken..fertig.

Gestänge

Zum Ziehen der Pulka findet man Konstruktionen aus Bambus, Carbon oder Rebschnüren. Mir war wichtig, dass das Gestänge so stabil und starr ist um beim Bergabfahren eine gute Kontrolle der Pulka zu gewährleisten. Bei einer Pulka, welche nur an Schüren gezogen wird, ist eine vernünftige Kontrolle (bremsen bergab) fast unmöglich.

Ein Ausbrechen oder „In die Haxen fahren“ sollte aber unbedingt vermieden werden. Zugleich sollte die Konstruktion so flexibel sein, dass sich nicht jeder Ruckler der Pulka auf mich übertrug. Ich denke ich konnte beides durch meine Konstruktion recht gut lösen.

Material:

  • 4 Alurohre (1000*20*2) ersteigert bei Ebay, die Rohre die man auf dem Baumarkt erhält haben zu dünne Wandstärken
  • 2 Edelstahlrohre (1000*15*2) am besten V2A Rohr
  • 5 Meter Edelstahlseil (2 mm)
  • 2 Kauschen, 2 Seilklemmen (müssen durch das Alurohr passen)
  • 2 Edelstahlkarabiner (dürfen nicht in das Rohr passen)
  • 8 Schlosschrauben + Muttern + U-Scheiben (5 mm)
  • 2 Federsplinte

– Das Edelstahlrohr für die Deichsel wurde auf 80 cm gekürzt und im Schraubstock über eine runde Schablone aus starkem Holz gebogen. Die Schablone verhindert das Knicken. Zuvor noch das Rohr mit Sandstopfen. Auch dadurch wird ein Abknicken verhinden. 2 Alurohre jeweils auf beide Deichselarme stecken. Jeweils 2 Löcher durch die Rohre bohren, Schlossschrauben einschlagen und sichern.

– Zwei ca. 20 cm lange Stück Edelstahlrohr als Verbindungsstück zwischen den unteren und oberen Alurohren auf die gleiche Art am unteren Rohr befestigen. Das obere Rohr wird nur durch einen Federsplint gesichert.

– Das Edelstahlseil in das gesamte Rohrsystem einziehen. Zwei Schlaufen aus Kauschen und Seilklemmen herstellen. Bei der Demontage der Rohre muss die Kausche und die Seilklemme in das Rohr passen. Der Trick ist der, dass wenn die Rohre fertig zusammengesteckt sind, nur noch ein kleiner Teil der Schlaufen (Kauschen) aus dem Alurohr herausragt. Hängt man jetzt den Karabiner ein (der nicht durch die Rohre passt), ist das gesamte System arretiert und kann nicht mehr auseinanderrutschen. Zum Spannen des Seil belässt man eine Rebschnur an einer Kausche. Die Karabiner sind dabei sehr flexiblen am Rohrende befestigt.

– Die Kraftübertragung auf Zug erfolgt nun nur noch durch das Stahlseil, auf Schub durch die Alurohre.

– Die Gestängebefestigung des Gestänges an der Pulka erfolgt mittels eines kurze Spanngurtes, der durch die 2 schon vorhandene Löcher der Pulka gefädelt wird. Dieser ist stabil, noch etwas flexibel und lässt sich bei Bedarf leicht ersetzen. Die Karabiner werden in eine Schlaufe aus Gummiseil am Gurt befestigt. Auf diese Weise werden Ruckler beim Anziehen der Pulka abgepuffert.

Die Kosten der gesamten Konstruktion beliefen sich auf 160 Euro.

Mittlerweile konnte die Pulka einige Male beweisen was in ihr steckt. Nachdem bei einem Kollegen die Deichsel abgebrochen ist, wurde diese bei allen 3 Pulkas durch V2A Edelstahlrohre ersetzt. Bei einem anderen ist das Stahlseil an der Kausche gebrochen da diese zu weit aus dem Rohr herausragte und so am Rohrende scheuern konnte. Das Problem konte aber schnell an Ort und Stelle behoben werden. Vorteilhaft dabei ist, wenn man das Stahlseil in der Bauphase nicht zu weit einkürzt.

Gewicht:

– Pulka ca. 4 Kilogramm

– Gestänge ca. 2 Kilogramm

Modifikation:

Für die 2 Tour habe ich noch Aluleisten unter die Kufen genietet. Durch die Erhöhung der Kufen bricht die Pulka bei Querungen seitlich weniger aus. Noch besser wäre es nur 2 Kufen richtig zu verstärken. Kommt im nächsten Winter….

Um auch ohne Schnee beweglich zu sein wurden zudem 2 Rollbretter aus Siebdruckplatten, Gurtband und Schwerlastrollen gebaut. Ein Brett trägt die beweglichen, das andere die starren Rollen. Leider konnte ich diese noch nicht testen.

Links zum Thema:

Und wie immer…ein Haufen Bilder der Pulka

——————-

Update März 2013:

Mittlerweile hat sich die Pulka, bzw. die 5 identischen Pulkas auf einer Reihe von Touren bewährt. Eine entscheidende Verbesserung haben wir noch eingebaut. Um ein Durchscheuern des Stahlseils zu verhindern, haben wir bei 3 Pulkas das Stahlseil gekürzt und die Kausche in das Alurohr verlegt. Ein kurzes Stück Edelstahlkette mit 3 Gliedern stellt jetzt die Verbindung zwischen Stahlseil und Karabiner her. Somit reibt jetzt höchstens das Ende der Kette am oberen Rand des Alurohr. Auf unserer letzten 10 tägigen Tour hat sich dieses Update bei 3 Pulkas bestens bewährt.


7 Responses to “Eigenbau Pulka”


  1. 1 eimoti
    19. Mai 2009 um 21:42

    Super Anleitung. Schade das ich einfach 2 Linke Hände habe😦
    Für die erste Wintertour im nächsten Jahr (Februar / März) Entweder Schweden oder Norwegen brauche ich noch immer eine wenn nicht sogar 2 Pulkas.

    Die kann man nicht zufällig bei dir in Auftrag geben ^^🙂 *kleinerscherzamrande*

    Gruß Tomie

    • 2 barleybreeder
      19. Mai 2009 um 22:39

      Ich habe 3 Pulkas gebaut..das reicht fürs erste.😉
      Man muss sie ja nicht so bombfortionös bauen wie ich. Viel einfacher gehts natürlich auch.
      Bin halt bei so was eher Perfektionist…

  2. 14. Juni 2009 um 11:36

    Das hier dürfte evtl für Dich von Interesse sein:

    http://www.fjaderlatt.se/2009/04/along-northern-rails-with-incredible.html

    Die Anleitung gibts auf BPL.com, solltest Du eine vierte „Pulka“/ Rulk bauen wollen =)

  3. 5 TomNoir
    24. Februar 2012 um 17:41

    Sieht ganz ordentlich aus. Ich verneige mich vor dem Meister! Zwei konstruktive Verbesserungsvorschläge habe ich aber doch:
    1. Um zu verhindern, dass das Stahlseil an der Kausche scheuert kann man das Stahlseil durch einen Plastikschlauch ziehen und dadurch schützen. Generell wäre es eine gute Idee das obere Ende der Gabel mit Plastik zu ummanteln, damit man es auch mit dünnen Handschuhen bei extremen Temperaturen anfassen kann.
    2. V2A als Deichsel ist schon nicht schlecht. Vielleicht wäre es noch besser die Deichsel dicker zu machen als die Gabel und die Rohre der Gabel dann in die Deichsel zu stecken?! Ich hab es noch nicht ausprobiert, kann also nicht sagen, ob dann das Biegen der Deichsel problematisch wird…

  4. 6 Basti
    18. Januar 2016 um 18:04

    VIELEN DANK für die tolle Inspiration. Hab mich auch an den Selbstbau gewagt und bin mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Ich hab an jeder Seite (li/re/vo/hi) in der Mitte jeweils noch einen „Griff“ aus Gurtband mit verschraubt. So kann die Pulka im Gelände (von einer zweiten Person) besser gezogen, geschoben und gebremst werden. Auch beim Transport (mit Bus, Bahn und Fähre) erhoffe ich mir Vorteile in der Handhabung.
    Jetzt fehlen „nur noch“ Kufen und Rollen o. Räder.
    Hattest du bei den Kufen auch mal Beläge von (alten) LL-Skiern in betracht gezogen?
    Ich bin noch am überlegen, innen eine dünne Holzplatte mit zu befestigen, um der Pulka bzw. dem Boden etwas steifer/stabiler zu machen. Hast du auch schon mal an sowas gedacht oder denkst du, dass das wenig Sinn macht?


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